Warum kommen Wespen im Spätsommer auf den Balkon?
Wespen sind nützliche Insekten. Sie fangen im Frühsommer Insekten als Nahrung für ihre Brut und halten so manche Plage in Grenzen. Im Spätsommer verändert sich ihr Bedarf. Dann steigt die Nachfrage nach Zucker. Süße Getränke, Kuchen und Obst ziehen die Tiere an. Das erklärt, warum Wespen gerade am gedeckten Tisch lästig werden.
Die NABU-Hinweise zu Wespen und Hornissen raten zu Gelassenheit. Die meisten Tiere stechen nicht ohne Anlass. Gefährlich wird es, wenn sie sich bedrängt fühlen.
Wie verhalte ich mich richtig?
Mit wenigen Regeln lassen sich die meisten Begegnungen entschärfen.
- Bleiben Sie ruhig und vermeiden Sie hektische Bewegungen. Schlagen Sie nicht nach den Tieren.
- Pusten Sie nicht in Richtung der Wespe. Der Atem kann sie reizen.
- Decken Sie Speisen, Obst und Getränke ab. Trinken Sie aus Gläsern mit Deckel oder aus Flaschen mit Strohhalm.
- Stellen Sie Fallobst und Reste im Garten nicht in der Nähe des Sitzplatzes ab.
- Halten Sie Abstand zu Nestern und Flugschneisen. Dort verteidigen die Tiere ihr Volk.
- Räumen Sie süße Reste schnell weg und wischen Sie klebrige Flächen sauber.
Eine vom Tisch entfernte Ablenkungsstelle mit etwas überreifem Obst wird gelegentlich empfohlen. Prüfen Sie, ob das bei Ihnen praktikabel ist. Hausmittel wie Kaffeepulver, Gewürznelken oder Räucherwerk werden häufig genannt. Ihre Wirkung ist nicht eindeutig belegt.
Bei Allergie: Wer auf Insektenstiche allergisch reagiert, sollte im Ernstfall den Notruf wählen. Medizinische Fragen klärt eine Ärztin oder ein Arzt.
Darf ich ein Wespennest entfernen?
Vorab: Dies ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Entscheidend sind die Art und der Einzelfall.
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) dürfen wild lebende Tiere nicht ohne vernünftigen Grund mutwillig beunruhigt, gefangen, verletzt oder getötet werden. Das gilt auch für Wespen. Hinzu kommt der Artenschutz: Hornissen zählen zu den besonders geschützten Arten. Bei ihnen sind Eingriffe in das Nest in der Regel nur mit Genehmigung der Behörde möglich. Verstöße gegen den Artenschutz können mit einem Bußgeld geahndet werden.
Ein Wespennest ist nur ein Problem, wenn es an einer ungünstigen Stelle liegt, etwa direkt an der Haustür oder im Kinderzimmerfenster. Dann gilt:
- Lassen Sie das Nest zunächst von Fachleuten ansehen. Viele NABU-Gruppen bieten Wespen- und Hornissenberatung an.
- Fragen Sie die Untere Naturschutzbehörde Ihres Landkreises oder Ihrer Stadt, ob und wie das Nest entfernt werden darf.
- Lassen Sie eine Umsiedlung nur von Sachkundigen vornehmen. Entfernen Sie Nester nicht in Eigenregie, besonders nicht mit Sprays.
Das Nest eines Wespenvolkes wird im Herbst ohnehin aufgegeben. Alte Nester werden nicht wiederbezogen. Das kann die einfachste Lösung sein: abwarten und das Nest nach dem Absterben des Volkes im Winter entfernen.
Wie schütze ich den Balkon ohne Gift?
Insektizide sind unnötig und für andere Tiere schädlich. Besser ist eine Abschirmung, die die Wespen draußen hält und Ihnen trotzdem Luft lässt.
Wenn Sie die Balkontür im Sommer häufig offen lassen, kommen Wespen schnell ins Zimmer. Ein Insektenschutz an der Tür löst dieses Problem dauerhaft. Wie unterschiedliche Systeme funktionieren, zeigt der Überblick zu Fliegengittern für die Balkontür. Bei Wespen kommt es auf ein stabiles Gewebe und einen sauberen Abschluss an der Türschwelle an, denn die Tiere fliegen gezielt in Lücken hinein.
Wie Sie ein Türgitter anbringen, erklärt der Ratgeber Fliegengitter an der Tür anbringen. Für den Sitzplatz selbst schützt das Gitter nicht. Dort helfen weiter Abstand, Abdeckung und ein ordentlich gedeckter Tisch.
Welche Wespen stören am häufigsten?
In Deutschland leben viele Wespenarten. Die meisten sind scheu und für Menschen uninteressant. Lästig werden vor allem zwei Arten, die im Spätsommer Süßes und Fleisch am Tisch suchen: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Ihre Völker sind dann besonders groß, die Arbeiterinnen suchen nach Nahrung.
Hornissen sind größer und werden oft mit Wespen verwechselt. Sie gelten als friedlicher, als ihr Ruf vermuten lässt. Wer sich nicht sicher ist, welche Art ein Nest bewohnt, sollte keine Maßnahmen ergreifen, sondern Fachleute fragen. Das schützt auch Sie vor rechtlichen Folgen.
Wie beuge ich einem Nest am Haus vor?
Königinnen suchen im Frühjahr geschützte Hohlräume für ein neues Nest. Typische Orte sind Rollladenkästen, Dachüberstände, Nischen, Gartenhäuser und Schuppen. Sie können vorsorgen, bevor ein Nest entsteht:
- Verschließen Sie Spalten und Öffnungen im Winter oder zeitigen Frühjahr mit Gitter oder Dichtmasse.
- Kontrollieren Sie im Frühling Rollladenkästen und Dachböden auf erste Anzeichen.
- Entfernen Sie Fallobst, offene Komposthaufen und Essensreste.
- Halten Sie Mülleimer geschlossen.
Ist die Königin schon eingezogen, lohnt es sich abzuwarten. Ein kleines Nest im Frühjahr wächst im Sommer an. Verschließen Sie bewohnte Nester niemals. Die Tiere suchen sich dann andere Wege ins Haus. Auch Insektenschutz an Fenstern kann Wespen davon abhalten, einen neuen Weg zu nutzen. Lesen Sie dazu auch die Hinweise zu Fruchtfliegen in der Küche, denn auch dort ziehen Reste beide Insektengruppen an.
Welche Tipps gelten für den gedeckten Tisch?
Am Tisch entscheidet die Gewohnheit. Decken Sie Teller und Gläser erst ab, wenn Sie essen. Reichen Sie Getränke im Becher mit Strohhalm. Wischen Sie Tropfen und Krümel sofort ab. Kinder sollten nach dem Essen Hände und Mund waschen, weil Süßes anzieht. Platzieren Sie Mülleimer weit vom Sitzplatz, am besten mit Deckel. Zu Sitzplätzen im Freien gehören Gelassenheit und eine ruhige Hand.
Fazit
Gift ist selten nötig. Ruhe, Abdeckung und Abstand lösen die meisten Wespenprobleme. Ein Nest sollten Sie nicht auf eigene Faust entfernen, sondern mit der Naturschutzbehörde klären. Für die Balkontür ist ein Insektenschutz die zuverlässige Lösung.
Häufige Fragen
Sind Wespen geschützt?
Hornissen gehören zu den besonders geschützten Arten. Auch Wespen dürfen nicht ohne vernünftigen Grund getötet oder ihre Nester zerstört werden. Im Zweifel klärt die Untere Naturschutzbehörde den Einzelfall.
Was darf ich gegen Wespen am Tisch tun?
Sie dürfen Speisen abdecken, Abstand halten und die Tiere sanft wegleiten. Vermeiden Sie hektische Bewegungen. Gift und Sprays sind unnötig.
Wer entfernt ein Wespennest?
Wenden Sie sich an die Naturschutzbehörde oder an Wespenberater, zum Beispiel beim NABU. Fachleute entscheiden, ob eine Umsiedlung nötig und erlaubt ist.
Hält ein Fliegengitter Wespen ab?
Ein dicht anliegendes Gitter an Fenster oder Tür verhindert, dass Wespen ins Zimmer fliegen. Lücken an Rahmen und Schwelle sollten Sie vermeiden.
Verschwinden Wespen im Herbst von allein?
Die Völker sterben in der Regel mit dem Winter ab. Alte Nester werden nicht erneut bezogen.
Quellen
- Keine Panik: NABU-Tipps zum Umgang mit Wespen und Hornissen – NABU
- Wespen- oder Hornissennest im Garten oder am Haus? – NABU Hamburg
- § 39 Bundesnaturschutzgesetz – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen – Bundesministerium der Justiz



